unterwegs

Reisetagebuch Nepal von Diana Johannemann und Johannes Brenner

Abschied von Nepal

(3. Juni 2008 von Johannes - Landkarte)

Bags are packed

Seit 140 Tagen sind wir jetzt in Nepal und haben nur noch eine Nacht vor uns. Oft wurden wir in letzter Zeit gefragt, was wir von Nepal halten, ob es uns hier gefällt. Am Ende dieser doch recht langen Zeit haben wir versucht ein wenig Reflexion zu betreiben und ein Fazit zu ziehen.

Auf jeden Fall kann man sagen, dass wir eine Vielfalt von Erlebnissen und Erfahrungen gemacht haben, viele schön, manche aber auch eher weniger erfreulich.

Was uns beiden sehr gut gefallen hat war (und ist) die Vielfältigkeit die Nepal zu bieten hat. Die Natur hier ist einzigartig: Die Spanne von den beeindruckenden Bergen bis zum Dschungel im Süden ist beachtlich. Wir hatten die Chance viele verschiedene Seiten des Landes zu sehen. Doch auch die kulturelle Vielfalt ist unglaublich. Vom geschichtsträchtigen Kathmandu-Tal über die Geburtsstätte Buddhas bis zu den Orten im kargen Mustang konnten wir die unterschiedlichsten Völker Nepals und ihre Lebensweisen kennen lernen.

Eine andere, sehr schöne Seite Nepals ist die Freundlichkeit seiner Menschen. Wir konnten oft erleben, wie offen, gastfreundlich, neugierig und hilfsbereit die Nepalis sind. Unser Unvermögen Nepali zu sprechen war eigentlich nie ein Problem, wir konnten uns fast immer auf Englisch unterhalten und wenn das nicht möglich war, mit Händen und Füßen kommunizieren.

Auch die Einfachheit, mit der man hier leben kann hat uns beeindruckt. Es gibt an jeder Ecke etwas zu Essen, überall befinden sich kleine Läden. “Unser” Stammladen war im Nachbarhaus und hatte immer frisches Gemüse und Brot und alles was man sonst noch so braucht (nur Schokolade nicht, dazu mussten wir ein paar Schritte weiter laufen).

Die Nachmittage auf unserer heißgeliebten Dachterasse sind auch etwas das wir nicht vergessen werden. Bei strahlendem Sonnenschein mit Zeitung und Tee den Feierabend genießen mit freiem Blick in alle Richtungen ist einfach wunderbar…

Doch natürlich war unser Aufenthalt hier in Nepal nicht nur strahlender Sonnenschein, wie überall gab es auch hier dunkle Seiten, Dinge die uns nicht gefielen. Über die Zeit drängte sich der Eindruck auf, dass viele Nepalis eine Denkweise besitzen, die einen wütend machen kann. Es herrscht in der Gesellschaft sehr viel Egoismus, jeder denkt nur an sich selbst. Angefangen bei korrupten Politikern und Beamten bis zu den Leuten die, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen, einen Streik ausrufen, der das komplette öffentliche Leben lahm legt, ohne Rücksicht auf Verluste. In der Zeit, die wir hier verbracht haben, gab es große politische Veränderungen in Nepal. Am 10. April wurde die lang erwartete Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung (Constitutional Assembly) abgehalten und letzte Woche wurde die Monarchie abgeschafft und die Republik ausgerufen. Doch auch in der Politik zeigt sich ein Egoismus und eine Machtgier die wenig Gutes für die Zukunft hoffen lässt.

Eng damit verkoppelt ist eine andere Eigenschaft, die uns als fleißigen Deutschen zu schaffen machte. “Ke garne” - “was soll man machen” - ist ein Satz den man hier täglich hören kann. Die Mentalität von “ist nicht mein Problem, jemand anderes wird sich schon kümmern” schafft hier viele Probleme und verhindert, dass es so richtig vorwärts geht in diesem Land. Häufig konnten wir diese Einstellung im Krankenhaus erleben, wo zum Beispiel irgendwelche Gerätschaften kaputt waren und keiner sich darum gekümmert hat. Lieber akzeptiert man, dass man eben weniger effektiv arbeiten kann und weniger Patienten behandelt werden können. Dabei müsste sich nur mal einer verantwortlich fühlen…

Ein anderes Ärgerniss ist die unglaubliche Abzocke von Ausländern. Dass man als Europäer in einem relativ armen Land höhere Preise bezahlt ist ja kaum zu vermeiden. Aber das systematische Ausnehmen aller Hellhäutigen ist bisweilen einfach nur unschön. Wenn man in Deutschland einen anderen Eintrittspreis für Ausländer beispielsweise bei einem Museum verlangen würde, wäre die Kacke am dampfen. Hier aber ist es völlig üblich, das Ausländer den zehnfachen Eintrittspreis bezahlen müssen.

Schade war auch, dass wir zweimal bestohlen wurden. Außer Dianas PDA, der im Februar gestohlen wurde, kam noch das (gemietete) Fahrrad, mit dem wir zur Arbeit fuhren, abhanden. Dass es auf dem Klinikgelände an einem Metallpfosten angeschlossen war und sich Wachmänner in der Nähe befanden, hat leider nicht geholfen. Jetzt müssen wir wohl dafür auch noch bezahlen.

Wie sieht denn nun aber die Gesamtbilanz unseres Nepal-Abenteuers aus? Insgesamt sind wir beide sehr froh, dass wir diese Zeit hier verbracht haben. Wir haben unglaublich viel erlebt und gelernt, nicht zuletzt auch über uns. Auch wenn wir nicht unbedingt nochmal ein PJ-Tertial hier verbringen wollten, zum Reisen und Urlaubmachen würden wir wieder hierher kommen.

Unsere Zeit hier war spannend und vielseitig, hatte Höhen und Tiefen. Wir haben viel gesehen und interessante Menschen kennengelernt. Ich denke nicht, dass das der letzte Besuch dieses Landes war (zumindest für mich, Johannes), es gibt hier einfach noch so viel zu entdecken. Trotzdem sind die 20 Wochen jetzt auch genug und wir freuen uns wieder auf Deutschland und natürlich auf euch!

SchwertransportUnsere MitbewohnerFrühstückUnsere MitbewohnerUnsere MitbewohnerBeim Schneider 1Beim Schneider 2Pizzaaa!EisessenDal BahtDer SchnürrerDer Schnürrer muß ab!Weg damitSo ist es besser!Erste AnprobeUnser HausWachmannGepäckwaageDie Republik ist da!SelbstgekochtesDer AbwäscherVive la republique


Chirurgie in Nepal

(2. Juni 2008 von Johannes - Landkarte)

Seit fast 16 Wochen sind wir jetzt schon im TUTH (Tribhuvan University Teaching Hospital) und verbringen hier das Chirurgie-Tertial unseres praktischen Jahres. Wir haben fast alle Abteilungen des Departments of surgery durchlaufen, Herz-Thorax und Gefäßchirurgie, Urologie, Neurochirurgie, plastische Chirurgie und in den letzten fünf Wochen Allgemeinchirurgie.

Als Zusammenfassung könnte man sagen, dass unsere Erfahrungen gemischt waren. Wir haben viel Interessantes gesehen und gelernt. Allerdings ist die praktische Ausbildung viel zu kurz gekommen.

Ein normaler Tag sah ungefähr so aus:

Aufstehen um 6:30 Uhr und Frühstück auf unserer herrlichen Dachterasse. Spätestens um 7:45 mussten wir das Haus verlassen, zur Hauptstraße laufen und dort in ein Tempo (dreirädriges Personentransportfahrzeug) oder einen Bus steigen. Das funktioniert hier so, dass man sich einfach an die Straße stellt und winkt wenn das gewünschte Gefährt vorbeikommt. Zehn Minuten später waren wir dann am Krankenhaus angekommen und mussten uns unseren Weg durch die schon vollen Gänge bahnen. Nachdem wir uns schnell unsere Kittel übergeworfen hatten fing dann auch meistens schon die Visite an.

ArbeitswegTempoIm TempoHintereingangVolle GängeKurz vor dem ZielSchließfachAngekommen

Um 8:45 beginnt jeden Morgen die “Morning conference” wo die aktuell aufgenommenen Notfälle vorgestellt und Studenten und Assistenzärzte mit Fragen gequält werden. Dieser Teil des Arbeitstages war meist der informativste.

Etwa eine Stunde später verteilten sich dann alle wieder auf ihre Stationen. Je nach Wochentag standen nun große oder kleine Operationen, Ambulanz oder die Chefvisite auf dem Plan.

Große Operationen (”major OT”) stand bei unserer letzten Station nur zweimal pro Woche auf dem Plan. Leider war hier die Abwechslung nicht all zu groß, es wurden hauptsächlich Gallenblasen operiert. Wie auf allen anderen Stationen auch kam hier die Praxis für uns Studenten viel zu kurz: In den fast vier Monaten die wir jetzt hier sind, standen wir beide nur ganz wenige Male mit am Tisch. Die allermeiste Zeit hieß es: Zuschauen.

Im “minor OT” hatten wir schon eher mal die Chance “Hand anzulegen”. Zumindest Diana schaffte es einige Male ein bisschen Nähen und Schneiden zu dürfen. Bei der Entfernung von Lipomen o.Ä. konnte sie ihr Können beweisen. Ansonsten werden im kleinen OP viele Leistenhernien unter Lokalanästhesie operiert.

Am stressigsten aber war die Ambulanz, der OPD. Im Out Patient Department herrschte immer absolutes Chaos: An drei Tischen saßen bis zu sechs Ärzte die gleichzeitig die Ambulanzpatienten untersuchten und behandelten. Theoretisch müssten dazu ja immer genau sechs Patienten im Raum sein. Leider schien das aber niemand so organisieren zu können. Es drängelten sich, sobald die Tür auch nur einen Spalt geöffnet wird, Dutzende von Menschen in den viel zu kleinen Raum. Doch die Patienten kamen nicht alleine sondern brachten jeweils zwischen einem und fünf Angehörige mit. Das Gedränge kann man sich vorstellen. Außerdem schien so etwas wie Privatsphäre hier ein völliges Fremdwort zu sein: man schaut und hört interessiert zu, was der Patient vor einem an Krankheiten und Problemen zu bieten hat. Es bildeten sich immer große Menschentrauben um den Tisch mit dem interessantesten Patienten…

Das bei diesem Chaos die Lehre häufig zu kurz kam ist vermutlich auch gut vorstellbar, zumal wir Studenten auch einfach nur daneben stehen konnten und herzlich wenig verstanden.

Insgesamt kann man sagen, dass wir uns etwas mehr von diesem PJ-Tertial erhofft hatten, besonders in Sachen Praxis. Das hier die praktische Ausbildung derartig zu kurz kommt (übrigens auch für die nepalesischen Studenten) hätten wir vorher nicht gedacht. Es gab natürlich etliche Ärzte und auch Studenten, die sich sehr viel Mühe gegeben haben. Manche Lehrvisiten hier waren ausgezeichnet und von eine solchen akademischen Frühbesprechung können vermutlich die meisten PJler in Deutschland nur träumen.

Wir haben jetzt noch zwei Tage hier in Nepal bevor wir wieder in ein Flugzeug steigen und nach Deutschland fliegen werden.

Warten aufs EssenSchrottSchrotSchrottGerümpelMinor OTMinor OTDiana beim OperierenIm Minor OTIm OPEssensausgabeEssen!AmbulanzOPDToiletteEingangshalle


Dakshinkali

(19. Mai 2008 von Johannes - Landkarte)

Vor einer Woche wollten wir noch den letzten Haken an unsere Liste der zu besuchenden Sehenswürdigkeiten machen und fuhren mit einem völlig überfüllen Bus nach Dakshinkali. Dakshinkali ist ein Tempel, der der sehr blutrünstigen Göttin Kali gewidmet ist und der sich sich etwa 20 Kilometer außerhalb Kathmandus befindet. So wie ich das verstehe, werden Tieropfer immer Göttinnen dargebracht und bei den Opfertieren muss es sich um unkastrierte männliche Tiere handeln. Dakshinkali ist dafür bekannt, dass hier ein konstanter Strom von Ziegen, Hühnern und angeblich Büffeln geschlachtet wird und der Tempel im Blut nur so schwimmt. Ein guter Grund, sich die Sache einmal näher anzuschauen.

Vom Bus zum eigentlichen Tempel führt eine Straße, die gesäumt ist von Verkaufsständen wo es jegliches Opferzubehör zu kaufen gibt. Von Gemüse über Ringelblumen-Ketten bis zu (noch) lebendigen Hühnern und Ziegen kann man noch schnell alles besorgen, was man für einen erfolgreichen Besuch des Tempels braucht.

Dakshinkali liegt in einem waldigen Tal am Zusammenfluss zweier Gewässer (gilt als heilig). Von der Straße aus führt eine Treppe hinunter zum eigentlichen Tempel. Bis hoch zur Straße standen die Gläubigen an, um ihre Opfer darbringen zu können. Die meisten hatten eine Schale mit Reis, Obst und Gemüse bei sich. Doch sehr viele der Hindus hatten ein Huhn oder gar eine Ziege dabei, die nicht mehr lange zu leben hatten.

Wir konnten uns an den langen Schlangen vorbeidrücken, da wir ja ohnehin nichts zu Opfern hatten und auch nicht in das Tempelinnere hinein durften. Es waren unglaublich viele Menschen unterwegs, überall wurde gedrängelt, alle wollten in den eigentlich recht kleinen und unspektakulären Tempel hinein und ihre Opfergaben loswerden.

Von der Seite hatten wir die Möglichkeit etwas hinein zu schauen und dem Geschehen zu folgen. Die Tiere wurden von professionellen Schlächtern mit sehr geübter Hand ins Jenseits befördert. Hühnern wurde mit einem Schnitt der Kopf abgeschnitten und auf ein kleines Dach über ein paar Statuen gelegt. Der Schlächter bekam für seinen Dienst Geld von den Gläubigen in die Hand gedrückt, die sich vor der Tat selbst wohl etwas scheuten. Den Ziegen ging es ähnlich, auch ihnen wurde zuerst die Halsschlagader geöffnet und dann der Kopf abgeschnitten. Das Ganze ging sehr zügig und vermutlich ziemlich schmerzlos für die Tiere vor sich. Trotzdem war es erschreckend zu sehen, wie eine Unmenge an Tieren hier geopfert wurden.

Das Fleisch der Opfer wurde aber keineswegs verschwendet (dafür ist es hier auch viel zu wertvoll). Der Besuch von Dakshinkali ist für die meisten Nepalis ein großer Familienausflug! Wir sahen viele Familien, die mit Plastiktüten voller Gemüse, vielen Töpfen und Gaskochern angereist waren, um nach dem Opfer dasselbe als Festmahl zu verzehren! Dazu waren 30 Meter vom Tempel entfernt Metzger damit beschäftigt, die getöteten Tiere zu zerlegen und für den Kochtopf vorzubereiten.

Die Atmosphäre war seltsam: Auf der einen Seite wurden hier vor unseren Augen Tiere geopfert, auf der anderen Seite glich das Ganze einem großen, bunten Karneval mit vielen Familien, die alle sehr vergnügt waren.

Wir blieben nicht sehr lange. Nachdem wir alles einmal angeschaut hatten, gingen wir zurück zum Bus, mussten noch eine Stunde warten (der Fahrer erhoffte sich wohl noch mehr Passagiere für seinen schon vollgestopften Bus), doch nur zwei zusätzliche Fahrgäste stiegen zu und wir fuhren zurück nach Kathmandu.

Jetzt sind es nur noch etwas über zwei Wochen, die wir hier in Nepal verbringen werden. Unsere Gefühle sind gemischt: Wir haben hier wunderschöne Dinge erlebt, viel gesehen und tolle Menschen kennengelernt. Trotzdem freuen wir uns beide schon wieder auf Deutschland, Einiges was wir hier im Alltag erleben ist eher anstrengend und bisweilen nervig. Den irren Verkehr, die schlechte Luft und die Trägheit, mit der hier so viele Dinge geschehen werden wir sicher nicht vermissen. Die Gastfreundschaft vieler Nepalis und die wunderschöne Natur außerhalb des Kathmandu-Tals schon eher. Und natürlich unsere herrlichen Nachmittage auf der Dachterasse mit einer Tasse Tee oder Kaffee, ein paar Keksen und der originellen Tageszeitung bei strahlendem Sonnenschein.

Ländliche GegendOperziegenDakshinkaliLange SchlangenLange SchlangenSchuhablageGedrängeGebetsglocknFeuerGemüseUnglaubliches GedrängelZwei Männer und eine ZiegeZiegeSchlachtplatzSchlachtabfallZwei FlüsseFilmcrewVerkaufsstände


Patan und Hanuman Dhoka

(16. Mai 2008 von Johannes - Landkarte)

Schon vor vier Wochen führte uns unser wöchentlicher Ausflug nach Patan (auch Lalitpur genannt), welches direkt südlich an Kathmandu angrenzt. Wir fuhren morgens mit dem Minibus von Ratna-Bus-Park aus nach Patan, stiegen irgendwo im Nirgendwo aus und suchten unseren Weg zur Altstadt.

Wir folgten dem meistens ausgeschilderten offiziellen Rundgang durch die Stadt, vorbei an vielen kleinen und großen Tempeln zum Durbar Square. Hier waren wir schon so erschöpft, dass wir erstmal Mittagessen mussten, natürlich mit schöner Aussicht über die vielen Tempel.

Nach dem Essen beschlossen wir, dass wir eigentlich schon genügend Tempel besichtigt hatten und schauten uns nur noch den Durbar Square genauer an. Doch in der Mittagshitze wurde uns das auch zuviel und wir stiegen in ein Tuk-Tuk und fuhren schnell zurück nach Kathmandu. Den Nachmittag verbrachten wir wieder mit unserer Lieblingstätigkeit: Sitzen auf der Dachterasse, Teetrinken und Zeitungslesen…

Vor zwei Wochen machten wir uns zu einem weiteren Halbtages-Ausflug auf: Wir schauten uns den Hanuman Dhoka an, den alten Palast von Kathmandu. Durch unsere hiesigen Studentenausweise mussten wir wieder nur den Nepali-Eintrittspreis von 20 Rupien bezahlen und konnten uns in den Innenhof begeben. Leider machten unsere beiden Kamera-Akkus gleichzeitig schlapp, was aber nicht so schlimm war, da man erstens nicht photographieren durfte und zweitens auch nichts wirklich Spannendes zu sehen war. Der Palast war in ein Museum für die letzten drei Könige Nepals verwandelt worden mit teilweise ziemlich skurrilen Exponaten. So war zum Beispiel das Aquarium von König Tribhuvan zu sehen, natürlich ohne Wasser, dafür mit ein paar Kieselsteinen drin. Oder wir konnten lernen, dass König Mahendra in “W. Germany” einen Braunbären erlegt haben will, irgendwann in den 60er Jahren…

Ansonsten war das ganze eher langweilig, eine endlose Reihe von Photos, Uniformen und Medaillen. Auch an diesem Tag beschlossen wir, nicht übermäßig viel Zeit mit Sighseeing zu verbringen und machten uns auf den Weg zurück zu unserer kleinen Wohnung.

HaarschnittTempel-HühnerPokhariBuddhistische StupaNandi-Bulle von vorneNandi-Bulle von hintenGoldener Tempel 3Goldener Tempel 1Goldener Tempel 2Carom SpielerAnatomieposterIce creamOpferung 1Opferung 2Opferung 3hungrige ZiegeTempel-ZiegeVishnu auf GarudaPatan Durbar SquareNarsinghaPalastDurbar SquareMul Chowk


Auf dem Amt

(14. Mai 2008 von Johannes - Landkarte)

Heute waren wir wieder Teilnehmer an einem grotesken Schauspiel bürokratischer Zeitvernichtung. Es war – glücklicherweise zum letzten Mal – an der Zeit unser Visum zu verlängern. Wir mussten uns also zum Department of Immigration begeben und uns dem Willen der dort waltenden Papierschieber unterwerfen. Schon die Örtlichkeit spricht für sich: letztes Jahr von der relativ praktisch gelegenen Touristen-Information wegverlegt in eine ungeteerte Seitenstraße. Der Eingang befindet sich im Untergeschoss, von dem aus man dann sofort eine Treppe nach oben ins ebenerdig gelegene Amt steigen darf.

Nachdem man die Marmorstufen emporgestiegen ist (ein neuer Aufzug ist zwar vorhanden, war aber bei unseren Besuchen nie in Betrieb) kommt man durch eine Tür in einen etwas düsteren, relativ großen Raum. Rechter Hand liegen auf einem Tresen die Formulare als Abreissblock. Gegenüber des Eingangs ist ein langer Tresen mit verkratzten Trennscheiben hinter dem etwa zehn Mit-”arbeiter”, nennen wir sie lieber Angestellte, sitzen. Zu ihrer Tätigkeit komme ich noch später. Der Hauptteil des verbleibenden freien Raumes wird von wackeligen Wartebänken eingenommen, die meistens in Benutzung sind.

Dies war schon unser vierter Besuch dieser Lokalität, wir kannten uns also schon aus. Wir waren diesmal besonders früh erschienen, in der Hoffnung die hässlich langen Schlangen zu vermeiden. Erstaunlicherweise befanden sich, als wir um 10 Uhr eintrafen, nur zwei Engländer vor uns in der Schlange. Wir füllten also mit geübter Hand das Formular aus und tackerten das jedes Mal gewünschte Passbild am Papier fest (das nepalesische Einwanderungsamt besitzt mittlerweile fünf Fotos von mir, was sie wohl damit vor haben?) und waren auch ziemlich bald vorne am Schalter angelangt wo uns ein ungewöhnlich freundlicher junger Mann darauf hinwies, dass wir bitte bis zum 13. Juni das Land zu verlassen haben, da wir danach kein Visum mehr bekommen würden. So weit war ja alles in Ordnung, wir haben dann 140 Tage in Nepal verbracht, viel mehr erlauben die Gesetze hier nicht.

Neben dem jungen Mann fingen die Pässe mit den eingelegten Formularen an sich zu stapeln, als er einen Antragsteller nach dem anderen zu sich winkte und dann in seiner Gegenwart kleine Häckchen in schwarzer Farbe hinter die verschiedenen Eintragungen im Formular machte und den Pass auf alte Visumsaufkleber durchblätterte. Im Hintergrund saßen die schon erwähnten zehn anderen Beamten bequem auf ihren Stühlen, lasen Zeitung, telefonierten und unterhielten sich. Ich fasse das Bild einmal kurz zusammen: eine Person arbeitet in aller Gemütlichkeit eine länger-werdende Schlange von Antragstellern hab, währen zehn andere nichts tun. Nach etwa einer halben Stunde kam der Chef der Abteilung (zu erkennen am größten Schreibtisch und dicksten Sessel) hereingeschritten und machte sich hinter seinem Schreibtisch breit. Jetzt sprang ein weiterer Beamter in Aktion und brachte die Pässe, die sich bis jetzt angesammelt hatten, zum Schreibtisch des Vorstehers. Dieser ging die Pässe nun nochmals durch (siehe oben) und machte seinerseits kleine Häkchen in roter Farbe hinter die Formulareintragungen. Auf diese Weise ausführlich überprüft wurden die Pässe einzeln an die Wartenden zurückgegeben. Nun mussten wir uns in der nächsten Schlange anstellen (die aber mehr einem drängelnden Haufen glich) um die Visumsgebühren zu bezahlen. Diese sind in US-Dollar angegeben, werden aber meist in Rupien bezahlt. Dazu muss die Dame am Kassenschalter (einfach das linke Ende des langen Tresens) bei jeder Transaktion aufs neue $30 mit dem aktuellen Tageskurs auf ihrem Taschenrechner umrechnen. Bei unserer ersten Visumsverlängerung war ihr dabei ein Fehler unterlaufen, so dass wir, als wir unseren Pass abholen wollten, 38 Rupien (ziemlich genau 38 Cent) nachzahlen mussten und dann erst mit der Bearbeitung unseres Visums begonnen wurde. Klug geworden zahlten wir diesmal direkt in Dollar und schafften es so, diesen Unsicherheitsfaktor auszuschalten. Nachdem sie das Geld erhalten hatte, fing die Beamtin an, mit kindlicher Schrift (und Langsamkeit!) eine Quittung auszufüllen. Man konnte fast meinen, sie würde zum ersten Mal die Buchstaben schreiben, so hingebungsvoll malte sie einen Letter nach dem anderen. Als diese Aufgabe geschafft war, bekamen wir unsere Quittung sowie einen weiteren Zettel ausgehändigt, mit der Angabe um halb drei, also 3 1/2 Stunden später wieder zu kommen.

In diesen 210 Minuten hatten die zehn Menschen hinter dem Tresen (von denen 7 noch immer keine sichtbare Arbeit taten) nichts weiter zu tun, als einen kleinen Aufkleber mit fünf Zeilen Text zu beschriften (Datum, Kosten, Unterschrift) und in unseren Pass zu kleben.

Wie bei jedem Besuch an diesem wundersamen Ort gingen wir kopfschüttelnd hinunter in den Keller und dann ins Freie. Wir verbrachten die Zeit bis zu unserem Wiedersehen mit den fleißigen Beamten mit einem längeren Mittagessen, Büchereinkauf und einer weiteren Tasse Tee.

Pünktlich um halb drei konnten wir auch wirklich unsere Pässe abholen. Glücklich darüber, dieses Amt in naher Zukunft nicht mehr aufsuchen zu müssen, fuhren wir nach Hause.

Hier schauten wir uns die Visumsaufkleber in unseren Pässen etwas genauer an. Wir stellten fest, dass sie fortlaufende Nummern haben und konnte so schätzen, dass pro Monat weniger als 2000 Visumsverlängerungen in diesem Büro bearbeitet werden. Bei 30 Arbeitstagen (das DOI hat jeden Tag geöffnet, wenn auch zum Teil nur 2 Stunden) macht das weniger als 70 ausgestellte Visa pro Tag. Wenn man nun sieht, dass sich nicht weniger als zehn Angestellte mit der Sache beschäftigen kommt jeder von ihnen auf ganze sieben Pässe, die zu bearbeiten sind. Wenn man großzügig ist und übertriebene 15 Minuten pro Vorgang ansetzt, ist jeder dieser Beamter ganze 105 Minuten am Tag mit Arbeit geschlagen.




unterwegs - Reisetagebuch Nepal von Diana Johannemann und Johannes Brenner
http://www.umdiewelt.info/unterwegs/2008/06/03/abschied-von-nepal/